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Kreditvergabe durch Finanzkrise beeinflusst?

Wer wissen möchte, ob die Kreditvergabe durch die Finanzkrise beeinflusst worden ist, der sollte sich der Finanzkrise am besten chronologisch nähern und den Auslöser und die Folgen näher betrachten. Dann wird man verstehen, dass die veränderte Kreditvergabe keinesfalls eine Willkürentscheidung der Banken darstellt, sondern die Regierungen und die Staatengemeinschaft ein paar Bremsen eingezogen haben, um das Abgleiten in ein zu hohes Risiko zu vermeiden. Wichtige Wirtschafts News zur Finanzkrise bestehen in der heutigen Zeit auch aus Informationen über neue Kapitalstruktur oder ein neues risikoverhalten der Banken.

Ninja-Kredite als Krisenauslöser

Einer der wesentlichen Auslöser der Finanzkrise in den USA waren neben stagnierenden Realeinkommen insbesondere leichtfertig vergebene Kredite. Das Stichwort „Ninja-Kredit“ zeigte eine sehr beliebte Strategie: Menschen, die niemals in der Lage gewesen wären, einen Kredit langfristig zu bedienen, bekamen einen Hypothekenkredit. „Ninja-Loan“ stand hierbei für kein Einkommen (no income), keine feste Arbeit (no job), keine Vermögensgegenstände (no assets). Die Immobilienkredite sollten sich neben einer extrem niedrigen Monatsrate weitestgehend durch eine spätere Wertsteigerung beim Verkauf der Immobilie tilgen lassen. Diese weitestgehende Kreditvergabe praktisch ohne Bonitätsüberprüfung und Sicherheiten war die maximal mögliche Kreditvergabe – und ließ das Vorsichtsprinzip des klassischen Bankings außer Betracht.

Wenn dann in einer ganzen Region wie Detroit aufgrund der Probleme eines der Hauptarbeitgeber Kurzarbeit herrscht und die ersten Kredite nicht bedient werden, dann setzt sich eine Negativspirale in Gang: Das erhöhte Risiko führt zu Zinszuschlägen – einige Kredite können nicht bedient werden. Gleichzeitig bricht die Nachfrage nach neuen Wohnungen und Häusern ein – die Substanzwerte sinken.

Aus dieser historischen Entwicklung seit dem Jahr 2008 heraus haben die Staaten neue Regelungen für die Banken geschaffen, die eine zu hohe Kreditvergabe vermeiden sollen. Dies sind im Folgenden:

1. Neue Eigenkapitalregeln

Die Banken müssen jeden vergebenen Kredit mit einem höheren Eigenkapital als bisher unterlegen. Auch wenn die Regelungen sehr komplex und detailliert sind, gilt folgender Grundsatz: Eine hemmungslose Kreditvergabe wie früher ist mit den neuen Regeln nicht mehr möglich. Die jeweiligen Kernkapitalquoten sind so hoch, dass viele Banken entweder neues Eigenkapital im Rahmen einer Eigenkapitalerhöhung einwerben mussten oder die insgesamt vergebene Kreditsumme nachhaltig reduzieren mussten. Die entsprechenden Regelungen werden im Basel III-Prozess detailliert ausgeführt.

2. Kreditverkauf wird erschwert

Insbesondere in Deutschland wurden die Rechte der Kreditnehmer erheblich gestärkt. So können die Kredite nicht mehr so einfach in Wertpapiere gebündelt und weiterverkauft werden. Damit kann sich der Kreditgeber aber schwerer von eingegangenen Kreditengagements trennen: Dies kann sich bremsend auf die Kreditvergabe auswirken, denn das Risiko kann nicht mehr so einfach an den Markt weiterverkauft werden.

3. Moralischer Druck auf die Banken

Bei der Rettungsaktion für die zyprischen Banken wurden erstmals auch die privaten Gläubiger bzw. Sparer an der Bankenrettung beteiligt. Und zwar umso höher, je schlechter die jeweilige Bank gewirtschaftet hatte. Damit wird der moralische Druck auf die Bankiers erhöht, keine zu hohen Risiken einzugehen.

Insgesamt kann gesagt werden, dass das Risikopendel bei der Kreditvergabe im Moment in Richtung konservativer und risikovermeidender umgeschlagen hat.

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